Vom Renditeobjekt zum Krisenfall: Wie spekulative Aufteilungsmodelle den Mietmarkt belasten
Das Modell: Aufteilung und Finanzierung auf Kante genäht
Hinter vielen vermeintlich soliden Sanierungs- und Wohnprojekten steht ein klassisches Geschäftsmodell privater Projektentwickler: Ein ganzes Mehrfamilienhaus wird über eine eigens gegründete Projektgesellschaft (oft eine GmbH & Co. KG) mit minimalem Eigenkapital und extrem teurem Fremd-Kapital (Nachrangdarlehen zu zweistelligen Zinssätzen) fremdfinanziert.
Das Ziel: Das Mietshaus wird nach dem Wohnungseigentumsgesetz (WEG) in einzelne Eigentumswohnungen aufgeteilt und scheibchenweise mit hoher Gewinnmarge an private Kleinanleger weiterverkauft.
Ungewissheit über Mietzahlungswege • Drohende Eigenbedarfskündigungen nach Weiterverkauf
Wenn die Zinswende zuschlägt: Der Dominoeffekt
Kippt das Zinsniveau oder bricht die Nachfrage nach überteuerten Eigentumswohnungen ein, gerät dieses System ins Wanken:
- Verkaufsstillstand: Einzelne Wohnungen lassen sich nicht mehr zu überzogenen Preisen veräußern. Die geplanten Einnahmen bleiben aus.
- Abtretung der Mieten an die Bank: Die finanzierenden Banken legen vertragliche Sicherungsabtretungen offen und fordern Mieter auf, die Miete direkt auf Sonderkonten der Bank zu zahlen, um eigene Kreditausfälle zu minimieren.
- Verwalterchaos & Zahlungsstopp bei Versorgern: Die zahlungsunfähige Entwicklungsgesellschaft bezahlt weder Handwerker noch Hausmeister oder kommunale Versorger. Im schlimmsten Fall drohen Versorgungsunterbrechungen bei Heizung, Warmwasser oder Müllentsorgung.
- „Schein“-Rettung: Gläubiger oder Auffanggesellschaften übernehmen die Liegenschaft im Notverkauf, um ihr Kapital zu sichern – ohne dass damit sofort Geld für notwendige Instandhaltungsrücklagen bereitsteht.
Was bedeutet das für den Mietmarkt in Magdeburg?
Gerade in Magdeburg, wo viele Bestandsimmobilien in Stadtteilen wie Stadtfeld, Sudenburg, Buckau oder Neue Neustadt über Jahrzehnte als geschlossene Mietshäuser bewirtschaftet wurden, hinterlassen solche Praktiken tiefe Spuren:
- Verlust von bezahlbarem Mietwohnraum: Jedes Haus, das in Einzeleigentum zersplittert wird, geht dem regulären Mietmarkt schrittweise verloren. Nach Ablauf der gesetzlichen Kündigungssperrfristen droht langjährigen Mietern die Kündigung wegen Eigenbedarfs durch Neueigentümer.
- Sanierungsblockaden im Stadtbild: Wenn Liegenschaften in 40 oder mehr Einzeleigentümer aufgeteilt sind, blockieren sich Eigentümerversammlungen bei zwingend notwendigen energetischen Sanierungen oder Fassadenarbeiten oft über Jahre.
- Fehlende Erhaltungsrücklagen: Werden die Häuser ohne gebildete Instandhaltungsrücklagen weitergereicht, drohen akute Verwahrlosung und Konflikte über Sanierungskosten.